"Blühendes Gras auf dem alten Schlachtfeld, den Träumen entsprossen der toten Krieger." Spätestens bei diesen – Pazifismus verströmenden – Worten offenbart sich der politische Ansatz des Komponisten Alois Bröder. Dieses Zitat findet sich in einem Zyklus japanischer Haikus, deren Vertonung Alois Bröder meisterhaft gelungen ist! Gleich zwei Zyklen von jeweils 14 Miniaturgedichten zog Bröder heran und setzte sie für Stimme und Konzertgitarre. Haikus wirken auf den ersten Blick wie romantische oder auch expressionistische Lyrik. Meist rücken individuelle Seelenzustände in den Fokus und werden durch naturhafte Darstellung chiffrenhaft überhöht. Atmosphären, Stimmungen, Geräusche, ein warmer Regen in der Nacht, der Flügelschlag eines Vogels auf dem Wasser, tote Blätter auf dem Schnee – Stimmungen werden aus sich heraus bedeutend und der Leser/Hörer darf frei assoziieren. Dies hat auch Bröder getan und in seiner Komposition höchst eindrucksvolle, gelegentlich berückende musikalische Bilder gefunden.
Daß dies beim Hörer ankommt, ja, daß diesem schon nach flüchtigem Hören einzelne Worte nicht mehr aus dem Kopf gehen, zeugt von einer klaren musikalischen Aussage. Vor allem der Bariton Martin Hummel weiß aus jedem, auch noch dem flüchtigsten Moment ein Maximum an Seelenregung und Empfindungstiefe zu schöpfen. Zur Seite steht ihm Christopher Brandt, dessen skizzenhaftes Spiel die Szenerie ausgestaltet, als ginge ein Maler mit sparsamen Pinselstrichen zu Werke. Das schließt auch grelle Farbnuancen ein, etwa aufbrausende Crescendi und rasante Bewegungen.
Der zweite Zyklus von noch einmal 14 Haikus ist schon etwas älter – und mit der Sopranistin Eva Lebherz-Valentin besetzt. Auch dieses Werk ist hörenswert, reicht aber in der Interpretation der Sängerin an die jüngere Komposition nicht ganz heran; im Vergleich mit Martin Hummel agiert die Sopranistin leicht unterkühlt und phasenweise etwas angestrengt. Weitere Kostproben aus dem umfangreichen Schaffen Bröders komplettieren die CD. Sie machen deutlich, daß sich die Konzertgitarre keinesfalls hinter anderen Instrumenten oder auch "lauteren" Ensembles zu verstecken braucht; Bröder und seine Interpreten (außer Christopher Brandt spielt noch Olaf Van Gonnissen einige Parts) bieten mit dynamischen Impulsen und reichen Effekten selbst einem Saxophon oder einer spitz intonierten Blockflöte hinreichend Paroli.

Stefan Pieper
(aus: www.klassik-heute.com, erschienen 27.7.2009)

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Ausreden lassen
Das ist schon amüsant, nicht wahr, wenn der Gitarrist, bei dem der Komponist einst in die Lehre ging, nun Werke seines einstigen Schülers spielt. Tatsächlich absolvierte Alois Bröder von 1982 bis '86 sein Gitarre-Studium bei Olaf Van Gonnissen. Und überhaupt hängt hier allerlei zusammen: Olaf stammt vom Niederrhein, und sein Gitarristenkollege Christopher Brandt kommt auch da her. Letzterer studierte bei Michael Teuchert in Frankfurt (Main), mit dem Olaf Van Gonnissen viele erfolgreiche Jahre lang im Frankfurter Gitarrenduo musizierte. Und bei dessen Vater, Heinz Teuchert, Olaf von 1970 - '75 studiert hat.
Frankfurt, Mainhattan. Und Darmstadt. In Darmstadt, der Stadt des Geistes und der Künste, hat der Gitarrist Christopher Brandt die Akademie für Tonkunst besucht und Stockhausen erlebt. Dort hat der Komponist Alois Bröder bei Olaf gelernt... Und damit wird einleuchtend, warum auf einer wunderbaren, faszinierenden, spannenden Platte Christopher Brandt und Olaf Van Gonnissen das Instrument spielen, dem der Komponist Bröder am nächsten steht. Kammermusik mit Gitarre heißt die CD, "mit Gitarre", nicht "für Gitarre", und es geht dort sehr modern zu.
Ein Stück für Gitarre allein, Erdferne, gibt es dennoch, knapp sechs Minuten lang. Christopher spielt; und was man womöglich im Free Jazz eines Derek Bailey nie wirklich verstanden hat, das bekommt hier nun Sinn und Begreifbarkeit. Bröder reizt es - in allen Werken hier -, die Grenzen der herkömmlich gespielten Gitarre aufzubrechen. Es gibt jede Menge erstaunlicher Effekte, ein riesiges dynamisches expressives Spektrum, wie man es auf der Konzertgitarre sonst so gut wie nirgends zu hören bekommt. Hier wird moderne Ton- und Klangsprache greifbar, nimmt das vermeintlich "Abstrakte" moderner Tonsetzerei im Bewußtsein des Hörers vielerlei Gestalt an.
Bröder liebt japanische Haiku, die berühmten Dreizeiler in 5-7-5 Silben. Die Platte beginnt mit 14 neue Haiku für Bariton und Gitarre von 2005. Martin Hummel singt, Christopher spielt. Aber er begleitet diesen vorzüglichen Sänger nicht, wie die Gitarre in allen Arbeiten hier nie nur entweder solistische oder begleitende Aufgaben übernimmt. Die Gitarrenparts erfassen die Poetik des Haiku, dessen 17 Silben Assoziationsketten in Bewegung setzen, so daß der Leser, hier: der Hörer sie im Reflektieren vollendet. Traditionelle Haiku spielen mit der Dimension Zeit, machen Dauer bewußt durch die Fokussierung auf Augenblicksbeobachtungen schaffen, was man in der Literatur "objektive Korrelate" nennt. Und sie arbeiten mit Vertrautem, von dem je nur ein Element sprachlich erfaßt wird, so daß der "eingeweihte" Japaner die nicht erfaßten via Assoziation hinzufügen kann.
Flapsig gesagt, macht erst der Vorgang des Verstehens während des Hörens Bröders Kompositionen autark. Das gilt hier durchweg und natürlich auch für die das Album beschließenden 14 Haiku für Sopran und Gitarre von 1994 mit der wunderbaren Eva Lebherz-Valentin und Christopher, für die Bröder zum Teil modernere Haiku ausgewählt zu haben scheint oder solche mit "modernen" und "ernsteren" Bezügen etwa in "Kinder hab ich satt" (immerhin vom alten Basho) oder in Wörtern wie "Schlachtfeld", "Dummheit", "Kälte" und "Tränen", also Stimmungen, auf die die Gitarre nahezu "onomatopoetisch" reagiert, indem sie die Sprache der Wörter aufnimmt und transzendiert. Ein Text aber wie "Die Schlange glitt davon/doch ihre Augen/blieben im Gras" hat zwar durch den Weg vom Japanischen über das Englische bis ins Deutsche das Silbenmuster eingebüßt, ist aber doch traditioneller in seiner Weisheit, als Bröder das in diesem zweiten Haiku-Block beabsichtigt zu haben scheint, weil er diese Miniaturen von 1994 eher "problemorientierter", als literarisch angelegt wissen wollte, wie Veronika Jezovšek in ihren exzellenten Liner Notes schreibt. Überhaupt fällt mir schwer, wirklich eine poetische Linie in beiden Blöcken zu finden, was eine letztlich schlüssige Ableitung auf die Stücke als Sprache-und-Musik erschwert. Was sich dem Hörer aber sehr deutlich erschließt, ist der dem Haiku ähnliche "offene" Charakter der Miniaturen und das völlig gleichberechtigte Miteinander von Gesang und Gitarre.
Kern.Spalte. heißt ein 6 1/2-Minuten-Stück für Altblockflöte und Gitarre von 1991/92, das von Johannes Fischer und Olaf gespielt wird, eine veritable tour de force für den Flötisten, der wie immer wie der Gitarrist angehalten ist, auch (aber nicht nur) das Unspielbare zu spielen und dem Instrument Klangwelten zu entlocken, die nicht der traditionellen Weise der Tonerzeugung entsprechen. So erleben wir hier ein ständiges Oszillieren zwischen Spannung und Entspannung im Spektrum zwischen provozierendem Überblas-Fortissimo bis hinüber zum Ausloten der Möglichkeiten, Verklingen immer noch feiner zu facettieren.
Elf Minuten lang ist das spannende Duo der Abbozzi für Gitarre und Klavier von 1995 mit Friederike Richter und Olaf Van Gonnissen. Dies sind 18 "Skizzen" oder "Sätze" von Längen zwischen einem und 24 Takten, die beginnen mit einem langsamen Arpeggio der offenen Gitarrensaiten, mit dem das Sammeln der "luminous details" (E. Pound) begonnen wird, der Bausteine, die scheinbar völlig frei von beiden Instrumenten zusammengetragen und dann "verarbeitet", variiert, extrapoliert und transzendiert werden - ein faszinierender Dialog, der wohl am deutlichsten macht, was Bröder mit der völligen Auflösung traditioneller Rollen meint. Wenn bislang die Konstellation von Klavier und Gitarre (im Titel taucht letztere zuerst auf!) als problematisch galt - hier herrscht tatsächlich musikalische Interaktion auf Augen- und Ohrenhöhe.
Bleibt als einzige Arbeit in größerer Besetzung Drei Spiele für Baritonsaxophon, Gitarre, Violoncello und Klavier (1996) mit Linda Bangs (bs), Olaf, Christoph von Erffa (ce) und wieder Friederike Richter am Flügel. Hier scheint nachempfunden, was im Jazz als kollektive Improvisation längst gang und gäbe ist, allerdings ohne jeden anarchischen Impetus. Das Quartett musiziert Bröder, als hätte der gar nichts geschrieben. Aber es tut das auf wunderbar sensible Weise, die gleichsam "den anderen ausreden" lässt...
Bröders Musik mit Gitarre ist spannend, aufregend, anregend. Sie ist genau das, Musik "mit" Gitarre. Ob wir es wollen oder nicht: Wir nehmen die Gitarre wahr als primus inter pares, als Instrument unter Gleichen und nicht als Instrument unter Ferner liefen. Und wir hören fasziniert, was da alles anscheinend doch schon vertraut klingt und in Wahrheit nur etwas sehr Erfreuliches signalisiert: Die Möglichkeiten der Gitarre sind noch sehr, sehr lange nicht erschöpft.

Alexander Schmitz
(aus: www.agas-schmitz.com, agentur:gitarre\alexander_schmitz, 2008)

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… Selbständig und autark …
Alois Bröder ist selbst Gitarrist, jedenfalls hat er bei Olaf Van Gonnissen in Darmstadt studiert. Und doch ist für ihn bezeichnend, „daß die Gitarre [bei ihm] keineswegs mit typischen Gesten zur Selbstdarstellung neigt, quasi sich als virtuoses Soloinstrument erkundend. Auch die Rolle der unterstützenden Begleiterin hat sie gänzlich abgelegt.“ (Veronika Jezovšek im Booklet). Jahrhunderte vor ihm haben Gitarristen, wenn sie denn als Komponisten hervortraten (und das taten sie bis Anfang des letzten Jahrhunderts alle), nichts anderes im Sinn gehabt, als sich selbst als Virtuosen in Szene zu setzen. Und das färbte natürlich ab auf die Musik, die sie uns hinterließen. Daß Komponisten Musik für Gitarre komponierten, bürgerte sich erst vor, sagen wir, hundert Jahren ein. Der gerade in diesem Zusammenhang oft mißverstandene und ob seiner künstlerischen Präferenzen gescholtene Andrés Segovia plädierte für diesen Wandel. Er war einer derjenigen, die sich dafür stark machten, daß Komponisten komponieren und daß Gitarristen Gitarre spielen sollten. Gut, er ist auch seinem geistigen Ziehvater und Inspirator Tárrega gefolgt, indem er Musiken aller möglicher Provenienzen für Gitarre zurechtmodelte, aber im Prinzip sah er sich berufen, Komponisten für sein Instrument einzunehmen. Wie Alois Bröder, der insofern eine Besonderheit darzustellen scheint, als er selbst Gitarrist ist … und doch nicht selbstverliebt oder in den Klang der Gitarre vernarrt "auch" komponiert. Alois Bröder ist dabei weder hier noch in anderen Produktionen sein eigener Interpret!
Seine Stücke sind alles andere als Reihungen instrumentenidiomatischer Floskeln … obgleich einem des Komponisten Vertrautsein mit der Gitarre nicht entgeht. Eine Menge raffinierter Klänge werden da eingesetzt, perkussive Elemente, Flageolett-Passagen – Techniken, die im Instrumentationslehrbuch von Sevsay nicht zu finden sind.
Aber die Effekte werden nicht ihrer selbst willen eingesetzt, sondern sie haben Bedeutung, sie unterstreichen, verdeutlichen, erläutern, korrespondieren … wobei wir bei dem Versuch einer globalen Beschreibung der Musik von Bröder wären. Der Komponist bedient sich einer expressiven musikalischen Sprache – atonal, das heißt, an keine tonale Gesetzmäßigkeiten gebunden – auch nicht an dodekaphone. Formal gibt es durchaus traditionelle Muster.
Die wenigen Worte der Haikus erzählen keine Geschichten, sie vermitteln Stimmungen – und das tut die nicht minder knappe Musik auch. Und Stimmungen sind es auch, die bei den Hörern bleiben, mit ein paar Gesten erzeugte Stimmungen. Um dies zu erreichen, muß die Sprache sehr treffsicher sein, um nicht mißverstanden zu werden. Alois Bröders Sprache ist knapp und verständlich … aber man muß aufpassen! Hie und dort sind uns die Texte fremd … zum Beispiel wo von Nachtigallen die Rede ist (nicht von Habichten). Aber die Musik dieser CD ist alles andere als ein Scherz. Die Stimmungen bleiben und wirken. Ohne Hurz.
Immer da, wo keine Texte bei der Entwirrung helfen, wo die Musik sich selbst überlassen bleibt, hören wir sehr selbständige Klänge. Selbständig, schlicht und autark. Aber Klänge sind es, Klangbilder, die keine Erklärung brauchen.

Peter Päffgen
(in: Gitarre & Laute-ONLINE XXXI/2009 Nº 2 47)

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Sprachbilder in Musik
Alois Bröders Kammermusik mit Gitarre
"Haiku" – so nennt man die wohl kürzeste Literaturform der Welt. Maximal drei knappe Zeilen, gerade so viel, wie in einen einzigen Atemzug hineinpassen (die Sprachzeit-Einheiten stehen dabei im Verhältnis 5:7:5) – dann müssen die Worte ihre Wirkung entfalten.
Das Ursprungsland des Haiku ist Japan, und die japanische Sprache begünstigt diese Art der Lyrik, denn sie ist in Silben organisiert.
Was im Haiku gegenständlich dargestellt wird, dient als Symbol für erlebte Momente und die Empfindungen, die man damit assoziiert; oftmals wird mit Natursymbolen gearbeitet, da diese bildhaft die menschlichen Seelenzustände widerspiegeln. Häufiger Gegenstand sind ebenso Jahreszeiten-Symbole: Beispielsweise fallende Blätter als Sinnbild für den Herbst und damit für eine melancholisch getrübte Stimmung.
Der Darmstädter Gitarrist und Komponist Alois Bröder spielt mit dieser knappen Ausdrucksform; 14 Haiku für Sopran (entstanden 1994) und 14 neue Haiku für Bariton (2005) bilden den Schwerpunkt seiner Kammermusik mit Gitarre - einer Einspielung, deren Reiz vor allem die musikalische Entsprechung der sprachlichen Dichte ausmacht.
(Hörbeitrag:)
Es ist die Kunst der knappen Aussage, in wenigen Sekunden, in wenigen Wortsilben alle Gedanken auf den Punkt bringen, Atmosphäre schaffen mit einigen gezielten, sparsamen Gesten. Der Komponist Alois Bröder umrahmt seine Kammermusik in der vorliegenden Einspielung mit Haiku-Vertonungen. Das sind Gedichte, die ein festes Schema aus siebzehn Sprecheinheiten haben, und in diesen siebzehn Einheiten muß alles gesagt sein. Das kommt Bröders Stil offensichtlich sehr zugute. Klangdestillate könnte man seine Stücke auch nennen: auf engstem Raum passiert unglaublich viel. Alois Bröder rückt dabei die Gitarre in den Mittelpunkt. Sie ist Begleit- und Soloinstrument und dennoch nicht in der klassischen Rolle, sondern immer auf der Suche - nach Verschmelzung mit anderen Instrumenten, nach Klängen, die untypisch sind. Dieses Spiel mit Klängen, ganz allgemein die Lust am Experimentieren sorgt für sehr bildhafte Vertonungen. Sie fangen Alltagsmomente ein, es sind feine Miniaturen, überlegte Pinselstriche, viel Farbe, viele Kontraste, ein bißchen wirken sie fast wie Kandinskys Gemälde während der Murnauer Sommerfrische, und manchmal denkt man dabei unwillkürlich auch an Punkt und Linie zu Fläche. In den Neuen Haiku für Bariton und Gitarre hört man die fallenden Blätter, die Schwere, man spürt die lautmalerische Kälte. Lasziv und fordernd wirkt dagegen das "Gasthausmädchen": das Auge des Betrachters bleibt dabei am Bild der Melone hängen. Faszinierend sind dabei auch die Reibungen in der Musik, die Trübungen und Wendungen, die freiliegenden Klänge und die lyrischen Momente. Dafür braucht man Musiker, die sämtliche Farbnuancen schnell und wachsam wechseln können. Der gleichmäßig helle, etwas gläserne Sopran von Eva Lebherz-Valentin reicht, trotz der runden, obertonreichen Töne, nicht ganz an die Ausdruckspalette beispielsweise des Baritons Martin Hummel heran. Den Gitarristen Christopher Brandt und Olaf Van Gonnissen hingegen ist es zu verdanken, daß man hier die Gitarre tatsächlich von ganz neuen Seiten kennenlernt, rhythmisierend und mit dichten Klangflächen in der Verbindung mit anderen Instrumenten, z.B. Klavier, Saxophon, Violoncello und Altblockflöte, und ausdruckssteigernd im Zusammenspiel mit den Singstimmen. Wer also einmal etwas gegen seine sonstigen Hörgewohnheiten tun möchte, ohne sich dabei gleich allzu weit aus dem Fenster zu lehnen, der ist mit dieser Aufnahme gut bedient.

Christine Gehringer
(in: www.pamina-magazin.de, 13.11.2009)

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Alois Bröder è un chitarrista-compositore tedesco oggi quasi cinquantenne, nato a Darmstadt e formatosi, per la chitarra, nella sua città con Olaf Van Gonnissen (che ha avuto tra i suoi allievi anche Tilman Hoppstock) e con vari insegnanti per la composizione, tra cui Toni Völker, docente alla locale Accademia. Occorre subito specificare che il presente CD vede Bröder protogonista esclusivamente come compositore, infatti i brani inclusi nel sostanzioso programma presentato, pur essendo tutti lavori per/con chitarra, sono interpretati dai chitarristi Christopher Brandt e dallo stesso Olaf Van Gonnissen, oltre che dal baritono Martin Hummel, dalla soprano Eva Lebherz-Valentin, dalla pianista Friederike Richter, dal flautista Johannes Fischer, da Linda Bangs, sassofonista e da Christoph von Erffa, violoncellista. La nutrita presenza di strumenti "altri" rispetto alla chitarra ci dà già una cifra di lettura generale della produzione di Bröder, assai varia e non esclusivamente "chitarrocentrica" (scusate l'orribile neologismo); la più piacevole impressione che si prova alla fine dell'ascolto del CD è quella di avere fatto la conoscenza non dell'ennesimo chitarrista che compone più o meno prevedibilmente, cercando di inserire a tutti i costi la chitarra e i suoi usuali modelli sonori, quasi di... infliggerla agli altri strumenti, bensì di un musicista che parte da un immaginario sonoro ricchissimo di colori, spesso ispirato da testi icastici e di fulminante essenzialità (come gli haiku giapponesi) per sfruttare le mirabolanti possibilità suggestive delle sei corde, siano esse da sole o amalgamate convoci o strumenti-partner. Raramente siamo riusciti a entusiasmarci davanti ad un linguaggio atonale ed asciutto, sovente debitore alle "avantgardie" (e a Darmstadt un certo vocabolario musicale si respira nell'aria!), come ci è successo per questo CD di Bröder, e per questo motivo ci pare che la sua catalogazione nella folta schiera die chitarristi-compositori (rispettabili e bravissimi nel loro genere, per carità...) quasi non gli renda giustizia. Bröder dimostra infatti una grande capacità creativa ed evocativa, come nei 14 Haiku per voce di baritono e chitarra: i testi di Yaba, Kyorai ed altri poeti nipponici, con le loro allegorie e le meditative atmosfere sintetizzate nei tipici tre versi dello haiku, trovano nei brevi bozzetti di Bröder una perfetta realizzazione.
I 14 Haiku del 2005 hanno avuto un precedente nel 1994, stavolta per soprano e chitarra; questo altri 14 brevissimi brani chiudono il programma del CD, laddove i 14 per baritono e chitarra lo aprivano: non ci sembra una scelta casuale, infatti nei ventotto pezzi si viene a ritrovare tutto il magistero compositivo del musicista tedesco, fatto di una finissima ricerca di timbri e dinamiche, una costruzione felicissima dal punto di vista architettonico che costituisce un paradigma della composizione per voce e chitarra nel linguaggio contemporaneo. L'attività compositiva di Bröder era iniziata nel 1987 con Erdferne (un titulo dal sapore astronomico), una sorta di caleidoscopico sogno fatto di contrasti improvvisi e netti, un viaggio interplanetario della mente che si risolve – probabilmente con il risveglio – solo nei due ultimi accordi arpeggiati. Kern.Spalte. per flauto a becco e chitarra è invece un'indagine sulle sonorità estreme del flauto dritto che si presenta con ipertoni eseguiti fortissimo epoi si fonde in un dialogo con la chitarra culminante in difficili ma efficacissimi passaggi all'unisono: un brano fremente e ben "tagliato" sul respiro del flauto, in cui la chitarra stempera le tensioni. Il pezzo strumentaleche ci è però più piaciuto è Abbozzi (il titulo è in italiano) per chitarra e pianoforte, una sorta di sequenza di diciotto appunti musicali senza soluzione di continuità in cui (forse per la prima volta dalla Fantasia di Castelnuovo-Tedesco!) ci pare proprio che i due strumenti non si "infastidiscano" per le loro caratteristiche così simili (e così diametralmente opposte), ma riescano ad ottenere un dialogo serrato e denso di avvenimenti sonori, un brano giocato – assai opportunamente – più sui ritmi e sulle dinamiche, piuttosto che sulla raffinatezza timbrica che troverebbe nel connubio piano-chitarra un'equazione di difficilissima soluzione. Colori davvero originali e magnificamente mescolati in un emozionante sound-blending sono invece alla base di Drei Spiele, per sax baritono, chitarra, violoncello e pianoforte, brano del 1996: come opportunamente fa notare Veronika Jezovšek, autrice delle ottime note al programma nel booklet del CD dalle quali abbiamo tratto più volte spunto per questa recensione, non è tanto sorprendente la ricognizione delle possibilità dei quattro strumenti compiuta da Bröder, quanto la loro interazione sondata in varie "direzioni" espressive, dal primo movimento in stile improvvisativo e guarnito da scordature, alla secca punteggiatura die pizzicati nel secondo alla gestualità quasi "al rallentatore" degli spettrali pianissimo del terzo brano. Dei 14 Haiku per soprano e chitarra abbiamo già accennato prima e non sapremmo aggiungere altro se non una piccola personale preferenza per gli Haiku più recenti (quelli per baritono) in cui l'aderenza delle situazioni musicali agli eventi narrati nei testi ci sembra più vicina ed efficace.
Vivi complimenti a tutti gli interpreti che hanno contribuito alla nascita di questo progetto discografico, dai cantanti – impeccabili – agli strumentisti, assolutamente "a fuoco" sulle pagine eseguite, ai due chitarristi, davvero bravissimi nel rendere i tanti colori proposti dal compositore e, last but not least, ad Alois Bröder che, a nostro parere, entra dalla porta principale in un olimpo di autori di musica contemporanea che non vedeva da tempo novità veramente rilevanti, specie tra coloro che "partono" dalla chitarra per arrivare alla composizione. Siamo ben lieti di averne trovata una!

Francesco Biraghi
(in: il Fronimo, rivista di chitarra, ottobre 2010)

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CDs, die sich nur einem einzigen Thema oder einer Persönlichkeit widmen, sind fast immer von besonderem Reiz, gehen sie doch eher in die Tiefe oder sie bilden wie hier verschiedene Schaffensphasen eines Komponisten ab. Der Darmstädter Komponist Alois Bröder steht im Zentrum dieser Aufnahme, in der eine Reihe von Werken mit und um die Gitarre zu Gehör kommen.
Das Haiku in seiner entwaffnenden Kürze hat viele Tonkünstler schon inspiriert. Gerade diese konzentrierte Kürze, die "spaßigen" Inhalte und die Einmaligkeit des Details scheinen Versuchung und Herausforderung zugleich gewesen zu sein, dies vokal oder instrumental auszudeuten. Zwei größere Haiku-Vertonungen rahmen das Gesamtprogramm dieser CD ein: 14 neue Haiku von 2005 für Männerstimme (Bariton) und Gitarre und eine frühere Serie von ebenfalls 14 Haiku für Frauenstimme (Sopran) und Gitarre von 1994. Die erste Serie dauert etwa 15 Minuten. Jede der durchschnittlich 1 Minute dauernden Miniaturen hat ihren Clou oder "Aufhänger". Dabei wird eine Vielzahl von Strukturen und Charakteren dargestellt. Die Gitarre nimmt jeweils deskriptiv oder umgekehrt deskriptiv Bezug auf den Inhalt der launigen Dreizeiler. So sei beispielsweise das 5. Haiku "Stille" besonders erwähnt, wo das Wort "Stille" im ff deklamiert wird und die Gitarre mit aggressivem Akkordwerk dagegenhält.
Die frühere Haiku-Serie am Ende der CD erscheint insgesamt sogar noch etwas kühner. Schon das 1. Haiku, hier hört man praktisch nur Saitengeräusche und den Text im Flüsterton an der absoluten Hörgrenze, wirkt ziemlich experimentell. Auch die Behandlung von Stimme und Instrument ist extremer, so muß die Sängerin exzessive Koloraturen bewältigen, mit brüchiger Stimme sprechen oder flüstern, und der Gitarrist sieht sich ebenfalls verstärkt neuen Spieltechniken gegenüber. Sämtliche Haiku sind überaus originell angelegt, mal hat die Gitarre Vorreiterfunktion (Nr. 8), mal hat sie nur einen einzigen Klang (am Schluß) zu spielen (Nr. 13). Insgesamt bestechen die einfachen Mittel, mit denen Bröder Abwechslung und ungeheuere Ausdrucksnuancen zu erzielen vermag.
Erdferne ist der Titel des 1987/88 entstandenen Solostücks für Gitarre. Gleich zu Beginn hat man den Eindruck von etwas Ungewöhnlichem! Durchaus gitarristisch wirkt es, aber nicht im Brouwerschen Sinn, etwa von besonders gut liegenden Spielfiguren, sondern eher was die klanglichen Möglichkeiten bis ins Extreme betrifft, so bewegt sich das Stück beispielsweise zwischen extrem hoch und extrem tief, extrem laut und extrem leise, extrem bewegt oder extrem ruhig. - Die Tiefe wird übrigens durch Herabstimmen der 6. Saite während des Spiels erreicht. - Auch die frappierende Wirkung von Stille wird öfter ausgekostet. In jedem Fall ist die überbordende Phantasie bemerkenswert. Man könnte sagen, das Stück wirkt insgesamt ein wenig "abgedreht" … erdfern eben!
Ein weiteres Frühwerk bekommt man dann zu hören, diesmal für Altblockflöte und Gitarre mit dem Titel Kern.Spalte. von 1991/92. Auch hier treten die eben erwähnten Charakteristika der Extreme deutlich zutage. Der Titel spielt auf den physikalischen Moment der Tonerzeugung bei der Blockflöte an. Das Stück hat mehrere Abschnitte teilweise "senza misura" und teilweise mit klarem Puls (z.B. fugatoartiger Abschnitt im 7/8-tel Takt). Flöte und Gitarre treten oft hintereinander in Erscheinung, laufen zeitweise aber natürlich auch nebeneinander. Unnötig zu erwähnen, daß bei Flöte und Gitarre auch neue Spieltechniken zum Einsatz kommen. Als bereits erwähnte Besonderheit wiederum das Herabstimmen der 6. Saite während des Spiels, was hier ein Erschlaffen bedeuten soll und mit dem Versiegen des Atems bei der Flöte einhergeht.
Das Werk aber, das mich zu meinem eigenen Erstaunen am meisten überrascht hat, war dasjenige, in dem die Gitarre mit dem Klavier gepaart wird, eine Kombination, von der man üblicherweise am wenigsten erwartet, daß sie "funktioniert". Schon der Beginn von Abbozzi (Skizzen) befremdet und erstaunt gleichermaßen: das Klavier intoniert die Töne der leeren Gitarrensaiten. Man weiß erst nicht recht: ist das die Gitarre oder das Klavier – aber beim näheren Hinhören lassen sich die Töne als deutlich vom Klavier gespielt identifizieren. Es geht hier um Kommunikation und Verschmelzung. Auch im weiteren Verlauf ist es manchmal schwer zu unterscheiden, welches der beiden Instrumente gerade spielt. Wieder trifft man auf eine Fülle von Ideen in Form von Überraschungen, Kontrasten oder Entwicklungen und wieder die Extreme und das Wirken der Stille.
Die anschließenden Drei Spiele (1996) weisen die größte Besetzung der CD auf: Baritonsaxophon, Gitarre, Cello und Klavier. Im ersten Stück wechseln sich die Instrumente in ihren Führungsrollen ab, bleiben dennoch aber nahtlos am Erklingen. Das zweite, sehr bewegte Stück lebt vom kurzen Wechsel von Klavier und Gitarre, der später auf die anderen Instrumente übergeht. Das dritte Stück erwächst aus einem "unheimlichen" Beginn und entwickelt sich, indem jedem Instrument jeweils eine musikalische Geste zugeordnet wird, die sich dann nach und nach im Verbund minimalistisch verändert.
Unter den zahllosen mehr oder weniger interessanten CD-Neuerscheinungen ist diese ein echtes Highlight, besonders natürlich für die Freunde von Neuer Musik. Der Kreativität Alois Bröders scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein, und die meist einfachen Mittel führen unmittelbar in den Ausdruck. Es ist anzunehmen, daß der Komponist zumindest beratend bei der Aufnahme mitgewirkt hat. Mir erscheinen sämtliche Werke von allen Interpreten mustergültig und in diesem Fall wohl auch authentisch dargeboten zu sein.

Wolfgang Lendle
(in: Concertino 4/2010)

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Bröder is not a household name. He is active in Darmstadt, but has an approach not tied to the courses that make the city famous. Here is a useful introduction to his chamber music with guitar, framed by 28 haiku, the first 14 for baritone and the second 14 for soprano. Each set is in German translation: The first focuses on a more obscure parade of eight Japanese poets, while the second sets six poets, among whom are the celebrated Issa, Buson and Basho. The composer has an instinctive response to the poems and often surprises with the chosen journey. Both singers are agile and intimate enough to match a lonesome guitar. Between the poles are the guitar solo Erdferne, not particularly distinctive in character; Kern.Spalte. in which the recorder and guitar seem strangely sympathetic; the continuous, somewhat monolithic cascade of Abbozzi; and the fanciful Drei Spiele. D & G, heretofore unknown to me, accompanies the music with an informative and attractive presentation. This music is not revelatory, but its benefits grow with repeated listens.

Dan Albertson
(in: LaFolia.com, April 2010)

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Mit Hilfe lokaler Sponsoren konnten Ende 2007 sechs recht unterschiedliche Werke des 1961 geborenen Darmstädter Komponisten Alois Bröder aufgenommen werden, die schon von den Besetzungen her Beachtung finden sollten. Den Auftakt machen 14 neue Haiku für Bariton und Gitarre mit Martin Hummel als Sänger und Christopher Brandt. Diese japanischen Platzspar-Gedichte sind Zustandsbeschreibungen, die in deutscher Fassung mit avantgardistisch schlichten Klängen nur zufällig wirken und dem Sänger den Hauptpart geben. Um Zusammenhänge zu entdecken, muß man sie mindestens zweimal hören. Der selbe Gitarrist spielt dann mit Erdferne das einzige Solostück des Programms, eine Art Collage gewohnter und extremer Gitarrenklänge, die eine langatmige Autorin im Heft zu deuten versucht (hier)(wie die anderen Werke auch) – dabei käme die Aussage, "diese 345 Sekunden sind einfach so und bedeuten weiter nichts" dem Stücktitel durchaus nahe, ohne das Stück zu diskriminieren. Es folgt Kern.Spalte., ein Stück für Altblockflöte (Johannes Fischer) und Gitarre (Olaf Van Gonnissen), dessen Titel natürlich auf die Tonerzeugung einer Blockflöte verweist. Aber man hat kaum eine Vorstellung, was mit dem Instrument möglich ist...um schräge Klänge geht es nicht, auch wenn es sie gibt, sondern um einen witzigen und gewitzten Dialog, der stellenweise sehr tänzerisch ist. Die Abbozzi (Skizzen) für Gitarre (Van Gonnissen) und Klavier (Friederike Richter) sind mit knapp elf Minuten der bei weitem längste Einzelsatz des Programms, der allerdings aus allerhand kleineren Teilen besteht, die Bilder einer Ausstellung beschreiben könnten. Oder vielleicht ist es Filmmusik, nur der Film fehlt? Drei Spiele sind witzige Interaktionsvorgaben für Baritonsaxophon, Gitarre, Cello und Klavier, die zur Abwechslung ohne Extremwerte auskommen. Den Abschluß bildet ein wiederum 14-teiliger Haiku-Zyklus für Sopran (Eva Lebherz-Valentin) und Gitarre (Christopher Brandt), der erneut zeigt, daß dies ein interessantes Repertoire für mutige Interpreten und neugierige Hörer ist.

Wieland Ulrichs
(in: Akustik Gitarre, 5/2009)

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Alois Bröder ist ein Komponist, der es in seinen Werken versteht, Kopf und Bauch zusammenzubringen. Er schreibt Stücke, die für den aufgeschlossenen Hörer gut nachzuvollziehen sind. Als ausgebildeter Gitarrist hat er ein Faible für dieses Instrument, dessen Möglichkeiten er ausschöpft. Er belebt das mit Gitarre begleitete Lied – im 19. Jahrhundert oft üblich – wieder, etwa in seinen beiden Haiku-Zyklen, die mit der Sopranistin Eva Lebherz-Valentin, dem Bariton Martin Hummel und Christopher Brandt auf CD eingespielt und zusammen mit anderen Werken als Kammermusik mit Gitarre herausgegeben wurden.
Bröder schreibt faszinierend für das jeweilige Instrumentarium. Die Haiku-Lieder sind vokal im Ansatz und gehen auch der Bedeutung der Texte nach. Die Instrumentalmusik wird klanglich raffiniert ausgekostet, und es entstehen packende Verbindungen, etwa in den Abbozzi für Gitarre und Klavier (Olaf Van Gonnissen und Friederike Richter), wobei der Hörer verblüfft ist, daß beide Instrumente so gut zusammenpassen. Ähnliches geschieht in Drei Spiele für Gitarre, Baritonsaxophon (Linda Bangs) und Cello (Christoph von Erffa).

Heinz Zietsch
(in: Darmstädter Echo, 23.7.2008)

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